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Erfüllte Beziehung. Was heißt das denn eigentlich? Wo gibt es das denn schon? Ist das nicht hoch gegriffen?

 

Für mich ist die Definition ganz klar:

 

zwei Menschen entscheiden sich füreinander, bekennen sich bewusst dazu, dass sie eine engere Bindung eingehen möchten (Paar oder Freundschaft – ganz egal). Jeder der beiden kann aber machen, was er möchte auf seinem Lebensweg und ist freiwillig daran interessiert, immer wieder zu der anderen Person zurückzukehren und sich mit ihr zu verbinden. Glücksmomente werden geteilt, Ungeklärtes ehrlich angesprochen, bewusste Zukunftsgespräche inklusive. Wenn eine gemeinsame Lebensrichtung oder -vision besteht, um so besser.

 

Bei dem Satz „auf seinem Lebensweg machen, was er möchte“ denkt der eine oder andere vielleicht direkt an das Thema „Fremdgehen“. Das liegt auch nahe, ist aber nur ein kleiner Teilaspekt dessen, was ich meine. Was ich aber auch meine, ist die notwendige Fähigkeit zu lernen, eine  g u t e  Kontrolle über unsere weit verbreiteten Verlustängste zu bekommen, um erfüllte Beziehungen zu führen.

 

Was in diesen Jahren, in Jahren des Wandels für mich sogar noch weit über dies hinaus geht, ist die Tatsache, dass Beziehung nicht immer in den Facetten daherkommt, die wir kennen, sondern dass wir uns langsam öffnen können für das Unbekannte. Für Beziehungsmöglichkeiten, die jenseits unserer Denkmöglichkeiten liegen.

 

Dafür müssen wir uns in den nächsten Jahren in vielen anderen Bereichen auch öffnen, wenn wir neue erfüllte Systeme leben möchten. Und genau hierfür gibt es noch wenige Vorbilder, sowohl in Beziehungen als auch in Berufssystemen als auch im Wertewandel mit Geld als auch im Umgang mit der digitalen Welt usw. usw.

 

Ich lebe seit 2010 getrennt von meinem Ex-Mann Christian, dem Vater meiner Tochter Emilia (13).

 

Unsere gemeinsame Geschichte ist lang. 1999  kamen wir relativ schnell zusammen. Christian erkannte in mir sofort eines, wonach er sich sehnte: meine Kreativität. Ich erkannte in ihm sofort etwas anderes, nachdem ich mich sehnte: Sicherheit und Unbeschwertheit. Wir brauchten einander, weil wir diese Qualitäten, die wir im Anderen sahen, selbst nicht lebten. Nach ein paar kleinen holprigen Anfangshürden fanden wir uns also zu einer klassischen „Brauch-Gemeinschaft“ zusammen.

 

Ich war gerade dabei, mich von meinem konservativen Berufsleben zu befreien. Kam nach sechs verbrachten Sabbat-Monaten (das allererste Sabbatical, das bei RWE AG jemals bewilligt wurde) in verschiedenen Robinson-Clubs Europas wieder zurück nach Deutschland und ging mit viel Verzweiflung ohne einen gefundenen und doch erhofften Alternativweg zurück in mein Konzern-„Gefängnis“. Ich war extrem verunsichert und unglücklich.

 

Ein paar Wochen später lernte ich Christian kennen.

 

Unsere klassische Beziehung nahm ihren Lauf, so, wie „man“ es kennt. Nach eineinhalb Jahren kündigte ich im Konzern und meine Suche nach meiner Bestimmung nahm über viele Jahre Raum ein. Mangels einer ausgiebigen Coaching-Szene, wie sie heute zum Glück existiert, nahm ich mir damals keine Hilfe.

 

Allerdings unterstützte mich Christian in meinem Wunsch, das alte, mir sinnlos erscheinende Berufsgefüge zu verlassen und mich auf die Suche nach etwas Sinnvollerem zu machen.

 

Währenddessen nahmen wir beide die klassischen Rollen ein. Ich verdiente nur noch wenig Geld nach einem Jahr Arbeitslosenunterstützung. Christian ging weiter arbeiten und für ihn war es selbstverständlich, dass er mich in meiner Suche, auch finanziell, unterstützte. Dies erlaubte mir Raum für viele Aus- und Fortbildungen. Aufmerksame Dankbarkeit kannte ich damals noch nicht und kann sie zum Glück heutzutage aufrichtig nachholen.

 

Auf meinem Weg der Selbstverwirklichung war irgendwann auch der Kinderwunsch groß und so rutschten wir weiter unbewusst in unsere patriarchalischen Rollen.

 

Was soll ich schreiben? Du wirst es vielleicht kennen: ich saß mit einem kleinen Kind jeden Abend allein zu Hause, in einer Opferhaltung, wie sie größer kaum sein konnte und Christian arbeitete bis spät in den Abend hinein: großes Verantwortungsgefühl, gepaart mit der Flucht vor der frustrierten Ehefrau würde ich als Gründe dahinter vermuten.

Der Alltag übermannte uns und irgendwann schlich sich bei mir das vermeintliche Gefühl ein, mich durch meine persönliche Entwicklung extrem von meinem Mann entfernt zu haben und da war sie auch schon da: die Ehe- und Familiensackgasse, die zur endgültigen Trennung führte im Jahr 2010, als unsere Tochter Emilia 5 Jahre jung war.

 

Ich werde den Anblick ihrer Augen und das Zusammensacken ihres kleinen Körpers niemals vergessen, als wir ihr sagten, dass wir uns trennen würden. Da wir uns nie wirklich gestritten hatten, sondern der Frust sich leise im Hintergrund abspielte, hat sie im wahrsten Sinne des Wortes die Welt nicht mehr verstanden, zumindest ihre nicht.

 

Das war der Moment, in dem ich dies hier entschied: ich werde ALLES, wirklich ALLES dafür tun, damit die Beziehung zu Christian gesund bleibt und wir die Trennung nicht auf ihrem Rücken austragen.

 

Gesagt und unzählige Momente später auch getan.

 

Im ersten Trennungsjahr waren auch wir mit allen Unannehmlichkeiten konfrontiert, der eine frisch getrennte Familie unterworfen sind. Große Unsicherheit begleitete unser Handeln. Keine festen Regelungen, wer wann das Kind betreut. Erst „mal schauen“, wann Emilia so weit sein könnte, dass sie zu „dem Anderen“ geht. Natürlich war sie nie von selbst so weit und die Übergaben waren ein reines Drama. Emilia hat überhaupt nicht eingesehen, dass sie jetzt von mir weg, ein paar Tage mit Papa allein in einer fremden Wohnung wohnen sollte. Harte Zeiten, die verzweifelter und frustrierter nicht hätten sein können und die nur durch „learning by doing“ zur manifesten Realität wurden.

 

Ein dreiviertel Jahr mit traurigen Dauer-Augen von Emilia verging, als es langsam leichter wurde. Wir haben genau EINE Familientherapiestunde genommen. Den Rest haben wir im Selbstcoaching gemeistert -ich möchte meinen, vorwiegend durch meine Führung-  aber definitiv auch durch das Einlassen von Christian auf meine Konfrontationen. Überhaupt durch unser Einlassen auf unsere herausfordernden emotionalen Hürden, durch sehr viel Ehrlichkeit, durch unsere Fähgikeit, immer wieder unseren verletzten Stolz über Bord zu werfen sind wir zusammen über die Jahre extrem gewachsen:  jeder für sich, wir beide zusammen und gemeinsam stark geworden. Denn wir hatten beide eine extrem hohe Motivation, ein absolut starkes WARUM: Emilia maximal traumafrei, ja sogar als glücklichen Menschen  m i t   getrennt-vereinten Eltern aufwachsen zu sehen.

 

Heute: 8 Jahre später können wir sagen: „YES, we can!“ Wir haben es geschafft! Und nicht nur das, sondern noch viel mehr.

 

Eine fröhliche, vor Selbstbewusstsein strotzende Emilia sagt heute „Ich kann eure Trennung nachvollziehen. Als Paar passt Ihr irgendwie auch nicht zusammen!“.

 

Aus Christian und mir ist die engste und beste Freundschaft geworden, die man sich vorstellen kann. Wir sind wie Pech und Schwefel, wie Bonnie und Clyde des Alltags, sind Familie füreinander, weil wir beide keinen besonders guten Draht zu unseren Herkunftsfamilien haben.

 

Wir besprechen ALLES, was es zu besprechen gibt rund um Emilias Alltag, Wirken und Wachsen. Wir besprechen ebenso, was unsere eigenen privaten und beruflichen Herausforderungen sind. Das tun wir besonders gerne im Café oder beim Frühstück.

 

Wir unterstützen uns, wo wir nur können und selbst neue Partnerschaften werden unterstützt. Und so lange keine da sind, sind wir füreinander da.

 

Gerade diese Woche haben wir den extrem aufreibenden Prozess eines Schulwechsels mit Bravur hinter uns gebracht, in dessen Verlauf jede einzelne Kleinigkeit besprochen, abgestimmt und transparent gemacht wurde, auch Emilia gegenüber. Sie hat diesen Wechsel exzellent gemeistert. Sie war die Stärkste von uns allen und geht jetzt jenseits ihrer Komfortzone erhobenen Hauptes auf eine Schule in einem sozial schwachen Stadtteil mit 30 Minuten Busweg, in eine neue Klasse, in der mehr zugewanderte SchülerInnen als Einheimische lernen. Eine extreme Transformation für sie, auf die sie mächtig stolz ist und auch sein kann.

 

Christian und ich haben immer wieder zwischendurch geprüft, ob wir doch wieder das „Zeug“ für eine Paarbeziehung hätten. Die Antwort fiel immer eindeutig auf „Nein“. Und uns ist klar, wenn im Leben des Anderen ein neuer ernsthafter Partner auftaucht, dann müssen wir den Anderen auch ziehen lassen und akzeptieren, dass unsere Verbindung dann weniger Raum einnimmt.

 

Ich denke für mich häufig: wenn Christian und ich noch ein Liebespaar wären, dann würde ich Beziehung genau so leben wollen: in zwei verschiedenen Wohnsitzen. Man sieht sich, wenn man Lust aufeinander hat, man zieht sich zurück, wenn man Ruhe braucht, die Kinderbetreuung wechselt sich ab, so dass der andere seinen vollen Freiraum bekommt. Zusätzliche Kinderbetreuungen sind selbstverständlich. Konfliktsituationen werden im Nu angesprochen und geklärt, Glücksmomente werden geteilt und belohnt durch gemeinsame Unternehmungen oder gemeinsame Mahlzeiten. Wachstumsphasen jeglicher Beteiligten werden begleitet, besprochen, geteilt. Und was andere Menschen viel besser abdecken können, das teilt man mit anderen Menschen. Über all das gibt es gar keine Diskussionen.

 

Wenn du mich fragst: eine perfekte erfüllte Beziehung.

 

Und wenn du mich noch mal fragst: ist das mein Rollenmodell, wie Beziehung gesund funktioniert.

 

Ich verstehe mittlerweile nicht mehr, warum so viele Menschen Angst vor Trennung haben und nicht denken können: „vielleicht wird es ja viel besser als vorher – aber anders“.

 

Eine totale Ausnahme meinst du?

 

Ja. Leider immer noch. Und das liegt ausschließlich an unseren negativen Gedanken rund um das Thema Trennung und meistens an unserer Unfähigkeit, ehrlich und wertschätzend miteinander zu kommunizieren. Warum? Weil wir uns selbst oft nicht gut genug spüren und ehrlich zugeben können, wie es uns gerade geht. Das würde nämlich erst mal reichen für’s Erste. Wir müssen in Konflikten oder unangenehmen Zuständen nicht immer alles unter Kontrolle haben und gleich die nächsten Lösungsschritte wissen, noch bevor wir etwas ausgesprochen haben. Das war sicherlich eines der wichtigsten Erfolgsrezepte unserer eigenen Hollywood-Geschichte.

 

Für mich ist eine kraftvolle ehrliche Trennung, bewusst erlebt, der Beginn einer echten Verbindung. Der Start für einen kraftvollen Neuanfang. Jede Trennung, was auch ein simples NEIN bedeuten kann, ist der Beginn zur echten Selbst-Verbindung. Dieser Akt mit Bewusstheit durchgeführt, bringt Menschen in die Freiheit. Denn die Verbindung zu sich selbst ist in meinen Augen die einzige Freiheit, die es gibt. Wenn du verbunden bist mit dir selbst und danach handeln kannst in möglichst jedem Moment, dann bist du frei, wo auch immer du bist, mit wem auch immer du lebst.

 

Und so ist es auch mit dem erfüllten Leben. Die Gestaltung eines sinnerfüllten Lebens bringt dich extrem mit dir in Verbindung. Manchmal musst du dafür Beziehungen verlassen, aber immer bringt sie dich auch näher in Verbindung, zunächst mal mit dir selbst und dann auch wieder viel ehrlicher in deinen Beziehungen. Und ob du dann, mit welchem Beziehungspartner auch immer, zusammen bleibst oder nicht, das wird sich zeigen. Eines, ich wiederhole mich gern an der Stelle, ist aber gewiss: es bringt dich – mit Bewusstheit gelebt – in eine neue Stufe deiner Selbst-Verbundenheit und damit in deine Freiheit. Und es soll auch schon viele bestehende Beziehungen viel näher und glücklicher gemacht haben. ;-).

 

Wenn du mehr über diese Art von Freiheit durch Verbundenheit mit dir selbst erfahren möchtest, komme zu meinem Vortrag „Sei so frei – gestalte dir ein Leben, das du liebst“ am 10.9. und 17.9.2018 um 18.30 Uhr in Essen oder buche dir ein Erstgespräch mit mir für eines meiner Coachings zu deinem rundum erfüllten Leben unter info@evalueg.de. Ich freue mich auf dich.

 

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